Autor Thema: Sigma SD14 - Farb-Infrarot: so geht's  (Gelesen 4426 mal)

Offline fotografikus

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Sigma SD14 - Farb-Infrarot: so geht's
« am: 19. Oktober 2014 - 11:48:45 »
Hallo und guten Morgen,


ich heiße Peter, komme aus dem Rheinland, interessiere mich für Mikro- & Makrofotografiere- und habe mich bereits vor zwanzig, dreißig Jahren mit Farbinfrarotfilm beschäftigt.
Vor etwas mehr als einer Woche habe ich mir - gebraucht - die SD14 inkl. Sigma 18-50 / 1:2.8-4.5 gekauft. Vorher hatte ich mir schon einen passenden IR-Filter 760nm gekauft. Leider bestätigte sich das erste, populäre Vorurteil, dass man damit keine gescheiten Farb-IR-Aufnahmen machen könne. Meine ersten Versuche ergaben ein ziemlich willkürliches Durcheinander von teilweise psychedelischen, teilweise nur purpurfarbenen Bildern, die kaum weiter zu "tunen" waren.

Zwar kann die Sigma relativ einfach und kostengünstig auf IR umgerüstet werden - was es braucht ist ein Fingernagel und den Schutzfilter zu demontieren und ein bißchen Geld für einen IR-Durchlassfilter); bedingt durch den Faveonsensor und auch das ausgefallene RAW-Format sind die damit erzielbaren Ergebnisse erst einmal bescheiden. Ich werde im folgenden anhand einiger Beispiele zeigen, was man trotzdem erreichen kann.

Zuerst einmal habe ich den IR-Filter durch eine Kollektion farbiger (gelb, grün, orange, rot) Filter ergänzt und mir zusätzlich fürs Experimentieren einen Doppelpolfilter besorgt. Dann habe ich einige Freewareprogramme für die RAW-Bearbeitung getestet. So gibt es beispielsweise UFRAW (http://sourceforge.net/projects/ufraw/), mit dem direkt auf die RAW-Dateien von Sigma zugreifen kann. Ich kann das Produkt allerdings nur bedingt empfehlen: es ist langsam, stürzt bisweilen ab und die Bearbeitungsmöglichkeiten sind eher beschrännkt.

Was sich bei mir bewährt hat, ist die Kombination von DNG Converter und ACDSEE Pro 7. Im Bearbeitungsmodus beispielsweise können mit den Werkzeugen "Erweitere Farbe" & Farbagleich die ziemlich purpurstichigen Fotos ent- und umgefärbt werden. Anbei einige Arbeitsproben:















Was Aufnahme und Bearbeitung der IR-Aufnahmen erschwert, ist einmal die Wartezeit, bis das Bild auf dem Speicherchip landet (vier - 8 Sekunden) und betrachtet werden kann und zum anderen die kaum reproduzierbaren Ergebnisse, wo oft eine drittel Blendenstufe über Erfolg und Mißerfolg entscheidet. Beispielsweise kann es mit vorgeschraubtem IR-Filter durchaus zu "LSD-Aufnahmen" kommen:





Aus den Aufnahmen kann man dann - egal wie man es anstellt - kein "normales" IR-Farbbild mehr herstellen. Wenn man dann etwas mehr Glück hat, erhält man so etwas:




Dann kann man versuchen, so was Ähnliches zu bekommen (was auch nicht grandios ist)



Schwarzweiß-Umsetzungen sind dagegen eher unproblematisch:







Abschließend noch zwei weitere Bilder unserer Dorfkirche:





Mein Resümme:

Im Gegensatz zu einer umgebauten EOS 350D sind Aufnahmen wie auch die Bildbearbeitung mit einer Sigma SD14 anspruchsvoller und von den Resultaten weniger vorhersehbar. Ich werde jetzt mal eine kleine "Forschungsreihe", um den Zusammenhang von erzielbarem Ergebnis auf der einen und Aufnahmeparametern auf der anderen Seite (Belichtung, Filter etc.) zu dokumentieren, auch wenn es recht aufwändig ist.

Schönen Sonntag noch
Peter

Offline zille

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Re: Sigma SD14 - Farb-Infrarot: so geht's
« Antwort #1 am: 22. Oktober 2014 - 02:03:36 »
Die Sigma-Kameras haben hier im Forum schon manchen Kopfzerbrechen gemacht. Vielleicht hast Du die Beiträge ja schon gelesen:
http://infrarot-forum.de/smf/index.php?topic=2376.msg10465#msg10465 und
http://infrarot-forum.de/smf/index.php?topic=1622.msg7491#msg7491
Deren Probleme sind ja nur Peanuts gegenüber Deinen.

… wo oft eine drittel Blendenstufe über Erfolg und Mißerfolg entscheidet.
Mal ehrlich, woran ist in den von Dir gezeigten Bildern ein Erfolg auszumachen? Und wo wäre der Unterschied zu dem Mißerfolg? Liegt es eventuell an Deinen "Bearbeitungen"?

Was sich bei mir bewährt hat, ist die Kombination von DNG Converter und ACDSEE Pro 7.
Was auffällt ist, dass ACDSEE nicht ernsthaft als Bildbearbeitungsprogramm durchgehen kann - es ist eine Bildverwaltung mit eher rudimentären Funktionen zur Bearbeitung. Und der DNG-Konverter hat keinerlei Bildbearbeitungsmöglichkeiten - er kann lediglich eine Wandlung in ein anderes RAW-Format (z.B. vom Nikon eigenen Raw-Format NEF in das Adobe eigene RAW-Format DNG) vornehmen.

War es nur eine mißverständliche Beschreibung Deiner Vorgehensweise? Meinst Du eventuell gar nicht den DNG-Konverter, sondern ACR, also das AdobeCameraRAW? Wie sieht es mit dem RAW-Konverter aus, den Sigma mitliefert?
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Benedictus d'Espinoza (1632 - 1677)

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Re: Sigma SD14 - Farb-Infrarot: so geht's
« Antwort #2 am: 22. Oktober 2014 - 13:00:56 »
Was auffällt ist, dass ACDSEE nicht ernsthaft als Bildbearbeitungsprogramm durchgehen kann - es ist eine Bildverwaltung mit eher rudimentären Funktionen zur Bearbeitung.

Woher weißt Du das? Hast Du mit dem Programm denn schon ernsthaft gearbeitet? Ich weiß auf jeden Fall, dass man sowohl die RAW- (konvertiert nach DNG) als auch die JPGs von der Sigma im klassischen Sinn bearbeiten kann (siehe die beigefügten Anhänge), d.h. entfärben, umfärben, Kanaltausch etc. Lebendiges Grün erscheint weiss bis grau, der Himmel blau oder in einer anderen Farbe.

Ansonsten kann man mit beliebigen Farbwerten spielen. Gras muss ja nicht immer grün bzw. weiss sein und der Himmel nicht zwangsläufig blau

Offline zille

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Re: Sigma SD14 - Farb-Infrarot: so geht's
« Antwort #3 am: 22. Oktober 2014 - 16:16:48 »
Ich muss nicht Bäcker sein um zu wissen, ob der Kuchen schmeckt oder nicht.  :wink:
Ne, im Ernst, die Farben ein bischen hin und her schieben, Größe ändern, drehen und konvertieren ist nicht das volle Programm. Auch ACR und Lightroom sind keine Bildbearbeitungsprogramme - auch bei denen fehlt´s an Masken- und Ebenentechnik, verschieden Verrechnungsmodi der Ebenen zueinander, auswählen von bestimmten Bereichen und diese Auswahlen speichern können, Bildmontagen und Textintegration, Panoramatechniken …
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Benedictus d'Espinoza (1632 - 1677)

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Re: Sigma SD14 - Farb-Infrarot: so geht's
« Antwort #4 am: 29. Oktober 2014 - 16:00:32 »
Hallo,

ich möchte mal wieder zur Ausgangsfrage zurückkommen und nicht darüber diskutieren, ob jetzt Panoramafunktionen, Ebenentechnik, Kollagen, Textintegration etc. zu einem "richtigen" Bildverarbeitungsprogramm dazu gehören oder nicht. Was ich zugebe ist, dass man mit Photoshop mehr machen und auch durchweg professionell arbeiten kann. Demgegenüber ist ACDSEE Pro 7 ein Allrounder (vgl. http://www.dkamera.de/news/acdsee-pro-7-test/ oder auch hier: http://www.computerwoche.de/a/die-besten-komplettloesungen-fuer-die-digitale-fotografie,2502960,4). Ich behaupte jetzt einmal frech, dass man mit ACDSEE praktikable FARB-IR-Fotos herstellen kann - auch mit dem Output von der ansonsten durchaus kritisch zu sehenden Sigma SD14. Ich bin gerne bereit, einem hier ein unbearbeitetes Originalbild von der SD14 zuzuschicken und die Endergebnisse hier zur Diskussion zu präsentieren

Gruß
Peter
 

Offline zille

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Re: Sigma SD14 - Farb-Infrarot: so geht's
« Antwort #5 am: 30. Oktober 2014 - 03:07:52 »
… und nicht darüber diskutieren, ob jetzt Panoramafunktionen, … Demgegenüber ist ACDSEE Pro 7 ein Allrounder
Da hast Du mich wohl falsch verstanden. Es geht nicht um einen Glaubenskrieg, was als richtiges Bildbearbeitungsprogramm zu verstehen ist, sondern darum, mit welchem Programm man effizient arbeiten kann. Zu beachten ist, dass IR-Fotos von der Norm abweichen und deshalb nur wenig oder nicht ausreichend von einem Allrounder erfasst werden können. IR-Bilder brauchen schlicht mehr als nur durchschnittliche, auf die üblichen Ergebnisse abgestimmte Wege.

Ich behaupte jetzt einmal …
Diese Aussage ist … na ja, sportlich. Denn abgesehen davon, ob die Werkzeuge von ACDSEE wirklich ausreichend und wirkungsvoll (in diesem Spezialgebiet) sind, sind vor allem die vorgestellten Bilder kritisch zu betrachten. Persönliche Meinung und Kunstfreiheit hin oder her – mir fallen keinerlei Beschreibungen ein, die nicht zumindest den Tatbestand der Beleidigung ankratzen. Wem psychedelische Bilder liegen, der mag vollkommen anders urteilen.

Ich bin gerne bereit, einem hier ein unbearbeitetes Originalbild von der SD14 zuzuschicken und die Endergebnisse hier zur Diskussion zu präsentieren
Prima Vorschlag, das ist der Weg, der weiterhilft.
Allerdings – besser als nur einzelnen Usern ein Bild zuzusenden wäre, eine Downloadmöglichkeit einzurichten. Dann muss nicht jeder, der sich mal ausprobieren mag, sich gleich zu erkennen geben. Also das Bild auf einer Web-Site, Dropbox … bereitstellen und somit die Hemmschwelle möglichst niedrig legen. So gewinnen wir möglicherweise mehr Vorschläge.
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Re: Sigma SD14 - Farb-Infrarot: so geht's
« Antwort #6 am: 30. Oktober 2014 - 09:37:09 »
Hi,

also hier mal eine RAW-Aufnahme zum Download:

https://cloud.gmx.net/ngcloud/external?path=Sonstige%20Dateien%20von%20p_kr%40gmx.de&token=316EFFAC57C47F88&mandant=01&product=gmxde&locale=de&viewType=0&guestToken=FZxqb-koThajYntbAw6Qpg&loginName=p_kr%40gmx.de

PIN ist AC345

Gruß
Peter

ps. Ab Sonntag bin ich in Urlaub - also entweder beeilen oder Zeit lassen
« Letzte Änderung: 30. Oktober 2014 - 09:45:33 von fotografikus »

Offline zille

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Re: Sigma SD14 - Farb-Infrarot: so geht's
« Antwort #7 am: 01. November 2014 - 01:23:25 »
Bei diesem Bild fällt als erstes auf, dass es nicht richtig belichtet wurde. Bei ISO 100, Blende 5,6 wurde mit Zeitautomatik gearbeitet – 1/1600 Sek.

An den Schatten am Kirchturm ist zu sehen, dass die Sonne schien, also typisches IR-Wetter. Bei diesen Lichtbedingungen ist erfahrungsgemäß eine Belichtungszeit von 1/125 – 1/250 – 1/500 Sekunde bei den oben eingestellten anderen Werten zu rechnen. Dafür braucht man eigentlich gar keinen Belichtungsmesser mehr, das funktioniert wie anno dazumal die Bauernregel: Blende acht, wenn Sonne lacht. Kleine Abweichungen kann höchstens das Filter verursachen. Aber das kann man mit einer kleinen Belichtungsreihe austesten und sparrt sich danach langwieriges Messen. Nicht zu vergessen: Wer viel misst, misst viel Mist.  :D
Das die Zeitautomatik so daneben gelegen hat ist im übrigen gaz einfach zu erklären – Belichtungsmesser sind auf sichtbares Licht geeicht, nicht auf das unsichtbare IR-Licht.
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Re: Sigma SD14 - Farb-Infrarot: so geht's
« Antwort #8 am: 01. November 2014 - 12:48:18 »
Hallo,

Danke, dass Du die Herausforderung angenommen hast. Zum Thema Belichtung: ich mache so gut wie immer Belichtungsreihen und habe bei der SD14 festgestellt, dass hier in der Regel Belichtungskorrekturen zwischen -1 und -3 Blenden erforderlich sind.

Hier die Ergebnisse von ACDSEE 7 Pro







Gruß
Peter
« Letzte Änderung: 01. November 2014 - 13:08:54 von fotografikus »