Autor Thema: Falsche Farben trotz verschiedener Weißabgleiche und div. Kanaltausch-Werte  (Gelesen 3771 mal)

Offline Apollo4Life

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Hallo liebe Leute,

ich fotografiere mit einer Canon 5D MKII, dem EF 24-70mm L F2.8 und einen Hoya 720nm Infrarot-Schraubfilter.
Das funktioniert soweit auch ganz gut, nur die Bildbearbeitung klappt bei mir nicht richtig. Ich bekomme das Grün im Bild einfach nicht weiß und möchte Euch fragen was ich falsch mache, da das Ganze so recht frustig ist. Für die Bearbeitung benutze ich erst Adobe DNG Profiler, dann Lightroom 4 und letztlich Photoshop CS6.

Die Fragen die sich mir stellen:
1. Woher weiß ich wie das Bild nach dem Weißabgleich in Lightroom vor dem Exportieren aussehen muß, damit beim Kanaltausch später als so aussieht wie gewünscht - also weißes Laub statt pinkes, oranges, usw?

2. Ist es mit meiner Kamera und dem Filter überhaupt möglich weiß aussehendes Blattgrün zu erzeugen?

3.Was mache ich falsch?

Ich habe auch ein/das Beispiel-RAW von mir, anhand dessen mir der geneigte Profi vll weiterhelfen kann!?
http://tinyurl.com/p8bd3jf

Liebe Grüße aus Freiburg
Alex

http://www.500px.com/Apollo4Life



Offline zille

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Das Du falsche Farben bekommst, ist erst mal gut so. Man spricht ja auch von der Falschfarbenfotografie …  :pfeiff:
Das das Blattgrün bei IR-Aufnahmen weiß erscheint, liegt letztlich an einer Überbelichtung dieser Bereiche. Denn das IR-Licht wird an den Wassertröpfchen in den Blättern reflektiert – und diese Reflektion ist es, was die Bereiche im eigentlichen Sinne nicht weiß sondern "nur zu hell" erscheinen läßt. Weißes Laub ist vor allem dort zu erwarten, wo die Sonne richtig auf frisches Blattgrün scheint.

Was meinst Du mit der Aussage, "erst benutze ich den Adobe DNG Profiler"? Mit dem musst Du Dir nur einmalig ein Profil erstellen, das abspeichern und in LR oder ACR gegen das in der jeweiligen Datei beinhaltete austauschen. Bei den Einstellung benutze ich unter dem Reiter "Color Matrices" die "White Balance Calbration" mit den Einstellungen Temperatur -80 (zwischen -60 und -100 probieren) und Tint meist bei -50. Diese Einstellungen sind aber von Kamera zu Kamera anzupassen und meine Erfahrung mit Nikon können nicht unbesehen auf Deine Kamera übernommen werden. Andere Einstellungen unter "Tone Curve" und "Color Tables" können das Profil verfeinern.

Nachdem das Profil der Datei in LR oder ACR eingebunden/ausgetauscht wurde, sollten sich die Farben schon mal kräftig ändern. Das ist aber nur der erste Schritt – im zweiten Schritt muss jetzt noch der Weißabgleich auf die Stelle gemacht werden, die Weiß (bzw. als sehr helles Grau) erscheinen soll.

Probierst Du es vielleicht noch mal direkt im Sonnenlicht mit frischem Laub oder Wiese (kein Getreidefeld …) und einer Belichtungsreihe?

»Das Vertrackte am Klarmachen des eigenen Standpunktes ist, daß man dadurch zu einem nicht zu verfehlenden Ziel wird.«
Benedictus d'Espinoza (1632 - 1677)

Offline Apollo4Life

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Hallo zille,

erste einmal vielen Dank für Deine Antwort. :-) Ich benutze den DNG Profiler auch zum einmaligen Erstellen eines Profils. Allerdings scheinen meine Einstellungen nicht richtig zu sein, da egal wie ich den Weißabgleich mache und ob/wie ich den Kanaltausch vornehme, mein Blattgrün wird nie weiß/hell. Das Beispielbild entspringt schon einer Belichtungsreihe in praller Nachmittagssonne und wunderbaren frischen Blattgrün überall. Das "Getreidefeld" ist eine sattgrüne Wiese. :-/

Kann es sein, dass ich den Woods-Effekt nicht hinbekomme, weil ich das Profil schon nicht richtig angelegt habe, bzw. die von Dir genannten
Werte anders variiert werden müssen?

Du schreibst die Farben müssten sich ändern. Aber wie? Woher weiß ich, welches farbliche Ergbebniss der Weißabgleich bringen muß, damit nach dem Kanaltausch Blattgrün herrlich hell ist.




« Letzte Änderung: 05. Juni 2015 - 15:51:58 von Apollo4Life »

Offline anthracite

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Hallo Alex,

wie du an meinem parallel laufenden Thread sehen kannst, bin ich auch noch auf der Suche nach dem perfekten Workflow für die IR-Bearbeitung. Mittlerweile bin ich aber mit den Ergebnissen ganz zufrieden.

Ich war mal so frei und habe deine Bilddatei durch meinen Workflow in LR 4 geschickt und habe die Ergebnisse angehängt. Wenn letzteres für dich nicht OK ist, gib mir bitte bescheid, dann schmeiß ich die Anhänge wieder raus.

Die Einstellungen in der Entwicklung in LR habe ich mitkopiert. Beim Bild mit Kanaltausch habe ich diesen vor der Entwicklung mit Exiftool in der Kommandozeile durchgeführt. Den angesprochenen DNG-Profiler nutze ich nicht.

Was auffällt:
- Das blaue Bild hat einen Blaustich im Gras. Das ist in gewissen Grenzen und je nach Lichtsituation normal. Bei meinen Bildern (mit Nikon D600, ebenfalls nicht modifiziert) ist der Blaustich allerdings nicht so stark. Ebentuell könnte man das Bild noch stärker entsättigen.
- Das Gras ist hinreichend hell (ohne überragend zu sein). Ein gewisser IR-Effekt ist also drin.
- Die Nadelbäume sind dunkel und die Laubbäume bleiben grau. Bei den Nadelbäumen ist das ja ok (die werden auch im IR nicht weiß), aber die Laubbäume sollten schon deutlich weißer sein.

Ergebnisse wie die deinen produziere ich mit einem Billigfilter (Quenox, 10,- Euro), welcher das sichtbare Licht nicht gut genug abblockt. Damit habe ich auch nur graue Laubbäume. Du nimmst aber den Hoya 720nm, der ist gut und den habe ich (u. A.)  auch. Damit kriege ich an der D600 Ergebnisse mit einem deutlich besseren IR-Effekt.

Ich nehme daher an, dass dein Problem nicht in der Bildbearbeitung liegt, sondern in der Kombination Kamera und Filter. Entweder hat deine Canon einen wirksameren IR-Sperrfilter als meine Nikon, oder der Sensor der Canon ist weniger IR-sensibel.

Ein stärker das sichtbare Licht blockender IR-Filter wäre vielleicht einen Versuch wert (z. B. mit Heliopan 780 oder 850; mit letzterem habe ich allerdings viermal so lange Belichtungszeiten). Oder du kaufst gleich eine billige gebrauchte Spiegellose und lässt sie dir umbauen.

P. S.: Für IR-Fotos würde ich empfehlen, diese mit manuellem Weißabgleich auf das grüne Gras aufzunehmen. Das hat zwar keine Auswirkungen auf die RAW-Verarbeitung, aber du erhältst JPG-Dateien in Brauntönen, die einen ersten Eindruck des Ergebnisses ermöglichen.







Offline Apollo4Life

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Hallo anthracite,

erst einmal vielen Dank dafür, dass Du Dir die Mühe gemacht hast. Wirklich sehr, sehr nett von Dir!!! :-)

Auch wenn ich das Ergebnis ziemlich enttäuschend finde, so gibt es mir doch Aufschluß darüber, dass meine Kamera scheinbar nur bedingt geeignet ist. Das von Dir entwickelte Bild erfüllt meinen Anspruch bei Weitem nicht. Doof ist, dass ich schon zwei Mal eine Canon EOS 600D gekauft habe um sie umbauen zu lassen, mich dann aber im letzten Augenblick dagegen entschieden und die Cams wieder verkauft habe.

Somit steht für mich fest, dass es sich für mich nur mit einer umgebauten Cam lohnt mit der Infrarotfotografie weiter zu machen. Da muß ich jetzt erst einmal in Ruhe drüber nachdenken.

Also, nochmals tausen Dank für die Mühe - das hat mir wirklich sehr geholfen!

Beste Grüße aus Freiburg
Alex


Offline anthracite

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Wo ich das mit dem geplanten Umbau eine 600D lese - im aktuellen Sonderheft der c't digitale Fotografie war ein längerer Artikel über Infrarotfotografie, in dem am Rande erwähnt wurde, dass eine Canon 60D (also eine Null weniger als bei deiner 600D) trotz Umbaus keine befriedigenden Ergebnisse lieferte, während alle anderen erwähnten Umbauten erfolgreich waren. Insofern kann es sein, dass das Problem am Canon-Sensor liegt - und dann hilft auch ein Umbau nicht.

Offline zille

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Weil ein Umbau (von wem mit welcher Qualifikation?) gescheitert ist, kann man deshalb darauf schließen, dass der Sensor generell untauglich ist? Das erscheint zweifelhaft, zumal andere den Umbau ohne Probleme bewältigen. Dann aber diese fragliche Schlußfolgerung auch noch auf zukünftige Kamerasensoren auszuweiten, lässt die Spekulation endgültig unglaubwürdig erscheinen.
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Statt wilden Hypothesen nachzugehen, sollte man sich besser an ausgewiesene Fachleute wenden.
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Benedictus d'Espinoza (1632 - 1677)

Offline anthracite

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Weil ein Umbau (von wem mit welcher Qualifikation?) gescheitert ist, kann man deshalb darauf schließen, dass der Sensor generell untauglich ist?
Nein, aber da der Umbau von ausgewiesenen Fachleuten (siehe Artikel in der Zeitschrift, ich will hier keinen namentlich nennen, aber laut Artikel hatten mehrere Umbaufirmen Probleme mit der Kamera) vorgenommen worden ist, liegt die Vermutung nahe, dass sich der Sensor sich im Infrarot anders verhält. Auch bei der 1200D und der 600D hatte die Redaktion mehr Probleme, ansprechende Farbaufnahmen zu erzielen als mit einer umgebauten Olympus.

Damit will ich nicht sagen, dass Canon prinzipiell ungeeignet sei, sondern das ist eine Epfehlung, bei Canon-Kameras sich vorher nach Erfolgsaussichten zu erkundigen, bevor man Geld versenkt.

Offline zille

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Nun ja, mit einigem guten Willen kann man auch zu dieser Schlussfolgerung kommen … Näher liegt wohl, das die Gescheiterten keine Experten sind, da doch der erfolgreiche Umbau prinzipiell möglich ist. Und es ist wohl auch so, dass es einige Foren-User gibt, die mit Canon-Kameras klar kommen. Vielleicht sehe ich das auch nur zu verbissen und bin von selbsternannten Experten, die letztendlich viele Defizite in grundlegenden Dingen haben, ein wenig genervt.
Aber gut, einigen wir uns darauf das NIKON besser ist.  :ironie:
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Offline Apollo4Life

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Hallo ihr Zwei,

auch interessant zu erfahren, dass mit den Canon Cams nach dem Umbau. Ich hatte mich für den Umbau der 600D schon an einen der ausgewiesenen Experten im deutschen Raum gewendet. Im Gespräch hat er ersteinmal nichts von evt. Schwierigkeiten gesagt und die 600D wurde auch schon ein paar Mal von Ihm erfolgreich umgebaut.

Bei Canon wollte ich erst einmal bleiben, da ich ein tolles Set Linsen für Canon habe. Ob die Infrarot-Fotografie überhaupt ein dauerhaft interessantes Genre für mich ist, ist immer noch nicht klar. Zum Glück gibt es ja viele Wege fotografisch glücklich zu werden. ;-)

Je mehr Infos ich bekomme, desto fundierter kann ich letztlich ein Entscheindung für oder gegen jeglichen Aufwand treffen. Mal schauen.

Sonnige Grüße aus Freiburg
Alex